Mitgliederversammlung 2010:


Alles ist gut beim Kulturklub: Die Mitgliederzahlen steigen, die Zuschauerzahlen sind konstant, die Finanzen im schwarzen Bereich. Alle könnten glücklich sein, Verein, Mitglieder, Besucher und die Stadt, die den Verein mit der Harzburger Kulturarbeit betraut hat und ihn finanziell und personell unterstützt. Wenn da nicht das Theater wäre …

Die Jahreshauptversammlung des Vereins, traditionell in die Veranstaltungs-Sommerpause gelegt, ist stets eine flinke und unspektakuläre Angelegenheit. So eigentlich auch in diesem Jahr. Vorsitzender Detlev Linke berichtete zufriedenen Mitgliedern von den Erfolgen des Jahres 2009. Er erinnerte an 32 Veranstaltungen (drei mehr als im Jahr 2008) und von 9800 Besuchern (1800 mehr als 2008). Darin enthalten sind auch die Aufführungen des Theaters, der Bühne Bad Harzburg. Durchschnittlich sahen 2009 306 Menschen eine Kulturklubveranstaltung. Auch das ist eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Und dass der Verein alle seine eigenen Veranstaltungen letztlich mit einer Kostendeckung von mehr als 90 Prozent über die Bühne bringt, sei in der Kulturszene selten, so Linke.

Und in der aktuellen Saison, die nun schon wieder halb herum ist, sieht es noch besser aus: 13 Veranstaltungen fanden 2010 bereits statt – davon war die Hälfte ausverkauft. Und schon jetzt zeichnet sich dieser Trend auch fürs zweite Halbjahr ab. Da sind sogar schon Veranstaltungen im Dezember ausverkauft …

Doch wie dicht Freud und Leid in diesem Metier beieinanderliegen sieht man beim Blick auf das städtische Theater, die „Bühne Bad Harzburg“, die der Kulturklub ebenfalls im Auftrag der Stadt betreut, die aber getrennt vom reinen Kulturklubprogramm betrachtet werden muss und auch separat abgerechnet wird. Dort gehen alle Zahlen nach unten, die der Abonnements (von ohnehin mageren 276 auf 257) und die der zusätzlich verkauften Einzelkarten (von 382 auf 356 für alle fünf Stücke der Saison). Der Kostendeckungsgrad liegt bei gerade einmal noch 43,4 Prozent, im Jahr 2008 waren es noch 48,22 Prozent. Den Rest zahlt die Stadt. Und da ist die Frage, wie lange noch. Wolfgang Kullig jedenfalls hat da so seine Bedenken. Der Ratsvorsitzende war quasi als Abgesandter der Auftraggeber des Vereins zur Jahreshauptversammlung gekommen. Kullig ist gemeinhin ein großer Verfechter des Theaters, verschloss aber nun seine Augen auch nicht vor der Realität: Noch sei das Theater gesichert, für dieses Jahr sowieso und für 2011 dank des Doppelhaushaltes auch. Aber danach? Wer weiß ob der Rat das Geld noch hat. Oder geben will. Somit ist streng genommen sogar schon die nächste Saison in Gefahr. Denn eine Spielzeit greift immer auf zwei Jahre, 2011/12 in diesem Fall. Und wenn es für 2012 kein Geld gibt, sieht es düster aus.

Die Versammlung diskutierte ausgiebig die Frage, ob und vor allen Dingen wie das Theater noch zu retten sei. Bessere Stücke? Nein, an den Stücken könne es nicht liegen, die seien vielleicht im Nachhinein nicht immer jedermanns Geschmack, aber in der Bilanz von hoher Qualität. Mehr Werbung? Detlef Linke listete auf, wie und wo der Klub überall „trommelt“: Prospekte, Plakate, Infostände, Werbeprämien, Zeitungsartikel – im Prinzip die gleiche Maschinerie wie bei den übrigen Veranstaltungen. Bei denen funktioniert es. Beim Theater nicht …

Vielleicht müsse man sich einfach damit abfinden, dass das Theater nicht mehr im Trend liegt? Und man sich irgendwann von ihm wird verabschieden müssen? Ein Gedanke, der sicher nicht jedem gefällt, die Mitgliederversammlung jedenfalls war nicht begeistert – wobei eine Zahl die Linke nannte, ebenfalls bemerkenswert war: 377 Mitglieder hat der Verein aktuell. Keine zehn Prozent davon gehen ins Theater.

Quelle: Goslarsche Zeitung
Samstag, 10. Juli 2010
Text: Holger Schlegel

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