Das Theater wird langsam zum Sorgenkind

Kulturklub zieht positive Bilanz des Veranstaltungsjahres, die von dramatischer Entwicklung der Bühne Bad Harzburg überschattet wird


Auf ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr blickte der Kulturklub in seiner Jahreshauptversammlung zurück. Alles ist gut, wenn da nicht ein heftiger Wermuttropfen wäre: Die Bilanz der vom Klub betreuten städtischen "Bühne Bad Harzburg" ist dramatisch - und die Frage stand im Raum, wie lange sich die Stadt das Theater noch leisten kann.

8000 Besucher kamen 2008 zu den 29 Veranstaltungen des Kulturklubs, worin die fünf Aufführungen der Bühne enthalten sind. 8000 - das sind 700 weniger als im Jahr zuvor, doch Vorsitzender Detlef Linke erinnerte daran, dass 2008 das Open-Air-Konzert im Badepark völlig verregnet war, was locker 1000 Besucher gekostet haben dürfte. So gesehen kann sich die Bilanz mit durchschnittlich 276 Besuchern pro Veranstaltung sehen lassen.

Schlaglichtartig ließ Linke die besonderen Veranstaltungen des vergangenen Jahrs Revue passieren, und das waren natürlich in erster Linie die gut besuchten wie die Lesung mit Mark Benecke oder der Abend mit dem Musik-Quartett "Salut Salon" (beides wurde wegen des Erfolges ins diesjährige Programm wieder mit aufgenommen).

Rennwoche unterstützt

Erfolgreich war aber auch das Novum im Kulturklub-Programm, eine Lesung während der Rennwoche als Unterstützung des Galopp-Events. Die Pferdeflüsterin Andrea Kutsch war zu Gast und der Saal war voll. Und so wird es auch in diesem Jahr wieder einen Kulturklub-Beitrag zur Rennwoche geben: Am 24. Juli kommt Bettina Eistel ins Schloß, eine der besten deutschen Dressurreiterinnen - und ein Contergan-Opfer. Sie hat keine Arme.

Ebenfalls erfolgreich war die Zusammenarbeit mit den Partner-Vereinen und -organistionen, von der Goethe-Gesellschaft über die Propstei bis hin zur Gesellschaft zur Förderung der Harzburger Musiktage, mit der sich die Kooperation sogar noch intensiviert hat.

Alles ist also im grünen Bereich beim Kulturklub - alles, was die originäre Arbeit des Vereins anbelangt. Gar nicht grün indes steht es um das städtische Theater, die Bühne Bad Harzburg. Hier sei die Situation als "dramatisch" zu bezeichnen, sagte Linke. Die Zahl der Abonnenten sank erneut. Von knapp 300 auf 276 (vor Jahren waren es einmal 350). Und der zusätzliche Einzelverkauf von Karten brach von früher einmal fast 800 (für alle fünf Stücke) in der vergangenen Saison auf 382 ein.

Der Kostendeckungsgrad beträgt aktuell 49 Prozent, was einem städtischen Zuschussbedarf von 26 000 Euro entspricht. In der Blütezeit lag der Kostendeckungsgrad bei stolzen 60 Prozent.

"Wir sind mit unserem Latein am Ende", sagte Detlef Linke. Alle Theater-Werbeaktionen, von Prospekten bis hin zu Infoständen, helfen nicht mehr viel. Und an den Stücken könne es auch nicht liegen, die seien erstklassig, ergänzte Ratsvorsitzender Wolfgang Kullig, der als Vorsitzender des Kulturausschusses zur Versammlung gekommen war. Die Stadt stehe hinter dem Kulturklub, keine Frage, denn wie jedes Jahr sei gute Arbeit geleistet worden. Doch inwieweit sie auch hinter dem Theater stehe, das wisse er nicht. Denn die Haushaltslage sei dramatisch, 10 Millionen Euro Einnahmeverlust drohten in den kommenden Jahren, vielleicht sogar noch mehr. "Ich habe große Sorge, das man an die Theaterstücke ran will", sagte Kullig, sie seien eine freiwillige Leistung. Und es ist die Frage, ob die Stadt sie sich noch wird leisten können.

Neue Saison startet gut

Düstere Aussichten, aber das originäre Kulturklub-Geschäft ist davon nicht betroffen. Denn die abgelaufene Saison der "normalen" Veranstaltungen lief gut und die neue lässt sich ebenfalls wieder sehr gut an. Schon gab es die ersten ausverkauften Häuser und noch stehen weitere Höhepunkte auf dem Programm.

Finanziell sieht es beim Verein auch gut aus, die Mitgliederzahlen steigen - es ist eben alles gut. Und so war es für die Mitglieder auch keine Frage, wie sie bei der turnusmäßig anstehenden Vorstandswahl abstimmen sollten: Die komplette Führung des Kulturklubs um Detlef Linke wurde einstimmig wieder gewählt.

Quelle: Goslarsche Zeitung
Samstag, 30. Mai 2009
Text: Holger Schlegel

nach oben

Startseite  |  Sitemap  |  Kontakt  |  Impressum
© 2001-2008, Kulturklub Bad Harzburg